Das Plattner-Handwerk

oder was steckt an Wissen und Arbeit hinter den Rüstungen

Hallo und willkommen,

gleich vorne weg sei eines gesagt: ohne Hingabe und viel Geduld lässt sich eine kleine, vollständig bewegliche und einigermaßen authentische Rüstung nicht herstellen.

Nun ein kurzer Streifzug in den Werdegang.

Die Puppen

Seit ich klein bin, faszinieren mich Ritter und ihre Rüstungen. Es ist diese Hülle, die Unverletzlichkeit verspricht, die mich schon als kleiner Junge angesprochen hat und meine Bastelleidenschaft nahm damals ihren Anfang.
Ich habe diese dann ins höhere Alter hinübergerettet, getreu dem Motto: je älter der Mann, desto teurer das Spielzeug…

Vor etwa 20 Jahren wechselte ich dann endgültig in den jetzigen Maststab, 1/6 , oder anders gesagt: eine Figurengröße von etwa 30 cm.

Ich muss es noch vorweg schicken: die Anfänge meines Hobbies waren darauf ausgerichtet Figuren zu bauen oder zu erwerben, um mit ihnen anmutende Fotos zu machen (…die ihr euch gerne in meiner Galerie anschauen könnt!).
Dazu brauchte ich zunächst die passenden beweglichen Figuren. Diese fanden sich zuhauf in Puppen von Mattel oder ähnlichen Marken.

Das Material

Ich fing nun an nach Material zu suchen mit dem ich meine ersten beweglichen Rüstungen bauen konnte und ich landete durch Zufall und geduldiges Stöbern in Bastelläden bei verzinntem Stahlblech der Dicke 0,2 mm.
Es war ganz praktisch, lies sich gut schneiden, gut weichlöten, einfach verformen. Und es war eben das Material, aus dem die großen Vorbilder auch gemacht worden sind: Eisen bzw. Stahl.

Sein einziger Nachteil ist, die geringe Stärke von so dünnem Stahlblech. Denn Verformungen, wie z.B. bei Helmglocken, sind mit so dünnem Material schwer ohne Rissbildung oder Löcher zu realisieren.

Dann war da noch das Problem der Verbindung zweier Bleche, ohne sie zu löten. Eine Rüstung war für mich nur dann sinnvoll, wenn sie beweglich wurde. Wie schafft es die echte Rüstung also, diese volle Beweglichkeit zu bekommen? Die Antwort war: mit Nieten!

Viele Stunden vergingen bis ich ein geeigneten Werkstoff hierfür gefunden habe.
Um die Maßstab zu wahren, durften diese ja nicht mehr als 1mm Durchmesser, besser noch kleiner haben. Vollnieten in diesem Durchmesser sind aber in Stahl nicht ohne weiteres erhältlich. Doch dann stieß ich auf vermessingte Stahlnägel: sie sind dauerhaft, obwohl nicht einfach zu verarbeiten.

Als eine richtig harte Nuss erwies sich der Versuch, stark und tief gewölbte Teile aus dünnem Blech zu fertigen, ohne das es einreißt oder Löcher sich bildet. Denn Stahlblech lässt sich nicht ohne weiteres in eine Halbkugelform zwingen. Es waren drei Jahre, viele unbrauchbare Stücke, Internetrecherchen, vertiefende Buchlektüre (sofern überhaupt verfügbar) und einiges an Frustresistent vonnöten, um die Technik zu erlernen, wie man aus einem ebenen Stück Blech ein beliebig gestaltetes Teil formt. Doch es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen…

Ich muss hier eines hinzufügen: irgendwann war die Option es zu löten oder zu schweißen für mich tabu. Die echten und gut gemachten Rüstungen sind zumeist nur getrieben und nicht geschweißt (das Feuerverschweißen alter Machart lässt sich nur schwer nachweisen, fand aber wohl statt).

Da die auftretenden technischen Probleme immer kleineres Werkzeug erforderten, bin ich schließlich beim Goldschmiedewerkzeug gelandet. Hier findet für fast alles etwas. Die Auswahl riesig, die Preise meistens auch…

Heute arbeite ich mit Stahlblech der Dicke 0,5 mm. Mit Stahl- und Messingnägeln von 0,8mm bis 1,5 mm und für die Realisierung spezieller Rüstungsteile benötige ich zusätzlich dünnes Leder.

Um die kleinen Schnallen und Scharniere herzustellen, greife ich auf Eisen- und Messingdraht zurück. Im Bedarfsfall kommt auch Messingblech zum Einsatz.

Der persönliche Einsatz

Ich möchte hier noch ein paar Hinweise loswerden.

Wenn man sich dem Thema Rüstung zuwendet, ist es zwingend notwendig sich mit den Originalen auseinanderzusetzen. Dies kann einerseits geschehen durch Buchlektüre, obwohl die meisten Buchtitel nur in Englisch verfügbar sind. (Entsprechende Buchtitel werde ich noch in einem gesonderten Kapitel erwähnen.)

Der andere Weg ist das Studium der Originale vor Ort. Ich bin dafür nach Wien gefahren, um Bildmaterial für eine Rüstung zu sammeln.
Eine gute Rüstung ist ein mechanisches Gebilde, dessen Funktionen sich dem Betrachter meist erst nach genauerem Studium erschließt. Will heißen, man muss eine Rüstung aus der Nähe und bestenfalls auch von Innen gesehen haben um ihr Gepräge und Verarbeitung zu verstehen.

Ich habe viele Stunden damit zugebracht Originale zu fotografieren, so gut es eben möglich war. Dennoch blieben manche Fragen offen und ich hatte das Glück noch einen dritten Weg gehen zu können.

An dieser Stelle möchte ich ganz besonders zwei Personen danken, die mir in Kursen, Gesprächen und Besuchen bei ihnen in der Werkstatt einen wertvollen Einblick in die Arbeit des mittelalterlichen Plattners gegeben haben. Sie gaben mir darüber hinaus auch die Möglichkeit, ihrer Arbeiten vor Ort beizuwohnen und eben auch von Innen heraus zu sehen.

Es ist der Plattner Peter Müller aus Orschweier, der zu meiner riesigen Freude gerade mal 30 km entfernt wohnt und den ich immer wieder fragen kann und gegebenenfalls auch mal vorbeischauen darf, wenn ich nicht weiter weiß.

Dann ist da der Plattner Markus Siefert, der mir sehr geholfen hat, sei es am Telefon und als auch bei ihm in der Werkstatt Daheim.

Lieber Besucher, lieber Sammler,

wenn Sie noch weitere Fragen haben, so können sie mich gerne per E-Mail kontaktieren. Ich werde Ihre Fragen gerne beantworten.